Vom Rollstuhl aufs Bike – und ab in den Wald

Jonas Keil fährt wieder mit seinen Kumpels durch die Wälder. „Toll“, sagt er – auch wenn der Spaß nicht mehr der gleiche ist wie vor einem Jahr. Seine Freunde stehen oft in den Pedalen und federn Sprünge ab, Jonas sitzt mit festgeschnallten Füßen knapp über dem Boden. „Aber ich bin dabei“, freut sich der 33-Jährige „Davon hätte ich vor ein paar Monaten nicht zu träumen gewagt.“

Der schreckliche Unfall, der sein Leben von einer Sekunde auf die andere schlagartig veränderte, ist fast ein Jahr her. Bei einer Tour auf dem Knoten bei Mengerskirchen stürzte der Dehrner am 21. Januar 2023 mit seinem Mountainbike so schwer, dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Jonas Keil ist seitdem querschnittgelähmt. Weil die Nervenbahnen im Rückenmark jedoch nicht durchtrennt, sondern „nur“ verletzt worden seien, bestehe Hoffnung, erläutert der junge Mann. Er werde viel Kraft, Geduld und auch etwas Glück brauchen, um wieder aus dem Rollstuhl zu kommen und auf seinen Füßen stehen zu können. „Das ist mein großes Ziel, für das ich täglich hart arbeite“, so Keil.

Dabei hilft ihm ein geländegängiges Handbike mit Elektromotor, mit dem er seit ein paar Tagen so oft wie möglich mit seiner Gruppe unterwegs ist: Bei Molsberg im Westerwald, auf dem Mensfeldener Kopf und im Raum Diez/Balduinstein. An der Unfallstelle am Knoten war er noch nicht wieder. „Das bereitet mir keine psychischen Probleme“, sagt Keil. „Es hat sich nur noch nicht ergeben.“

Das rund 12.000 Euro teure Bike ist nach Angaben des österreichischen Herstellers entwickelt worden für Menschen mit Behinderung und Tatendrang, die Spaß haben und sich ein großes Stück Freiheit erobern wollen – und damit genau richtig für Jonas Keil. Möglich wurde die Anschaffung durch die Unterstützung der Limburger Max Stillger Stiftung und seiner Freunde. Bei Veranstaltungen und durch Spenden kamen bislang insgesamt 27.500 Euro zusammen. Max Stillger, Marc Legel und Marcel Kremer überreichten Jonas Keil einen symbolischen Scheck in dieser Höhe.

Bei einem Benefiz-Fußballturnier im Oktober in Niederbrechen erzielte die Stiftung einen Erlös von rund 5000 Euro. Außerdem brachte unter anderem eine Floßfahrt auf der Lahn Geld in die Spendenkasse, die auch mehrere Gruppen und Vereine sowie Privatleute füllten. „Schön, dass wir auch in diesem Fall so unkompliziert und wirkungsvoll helfen konnten“, sagte Max Stillger bei der Übergabe. Die von Marc Legel initiierte Hilfsaktion sei insgesamt vorbildlich gelaufen. „Die Spender haben Menschlichkeit und Nächstenliebe gezeigt“, lobte der Mäzen.

Jonas Keil dankt allen, die in verschiedener Form zur hohen Spendensumme beigetragen haben. „Das macht mich glücklich und motiviert mich weiter“, betont der 33-Jährige.
„Gut“ antwortet er lächelnd auf die Frage, wie es ihm den Umständen entsprechend geht. „Ich bin sehr zufrieden, und die Therapeuten sind es auch.“ Die mehrmonatige Reha in Bad Orb hat der Querschnittgelähmte zwei Tage vor Weihnachten beendet, der Antrag für die nächste Reha ist gestellt. Derzeit trainiert er zu Hause und im Sportpark in Elz.

Jonas Keil hat schon erste Gehversuche mit dem Rollator unternommen. „Das strengt mich unheimlich an. Für fünf Meter brauche ich fünf Minuten, und dann ist erst einmal Schluss“, erzählt er. Sich aus eigener Kraft nach vorne zu drücken, falle ihm schwer; auf dem Laufband sei es etwas einfacher.
Nach Elz fährt der Dehrner mit seinem neuen Auto (mit Handgas), das ebenso wie Umbauarbeiten im Haus viel Geld gekostet hat. „Für Schwerbehinderte gibt es überall Hindernisse“, sagt er; „bauliche und finanzielle“. Kaum jemand sei auf diese Situation vorbereitet, und die Ämter täten sich schwerer als erwartet.

Jonas Keil blickt dennoch zuversichtlich nach vorn. Im Februar will er den nächsten Schritt auf dem Weg zurück in die Normalität machen und mit der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben beginnen. Seinen Beruf als Maschinenanlagenführer bei Tetra Pak werde er allerdings nicht mehr ausüben können. Aber erst einmal wichtig, wieder dabei sein – wie bei den Bike-Touren.

Jonas Keil strahlt in seinem neuen Bike. Stehend (von links) Max Stillger, Marcel Kremer und Marc Legel, der die Hilfsaktion initiiert hatte.
Foto der Spendenübergabe

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